Padovan


Die "Neurofunktionelle Reorganisation" ist von Beatriz Padovan (Logopädin, Lehrerin) in Brasilien entwickelt worden. In der Methode ist der Zusammenhang zwischen Motorik, Handeln und Sprache wichtigster Ausgangspunkt. Sprache muss sich als sekundäre Hirnfunktion in das bereits bestehende Netzwerk der primären Hirnfunktionen eingliedern. Die Grundelemente der Sprache werden daher von den motorischen, sensorischen, taktil-kinästhetischen, vestibulären, akustischen und optischen Funktionen gebildet.


Die Neurofunktionelle Reorganisation wiederholt einige Aspekte der ontogenetischen Entwicklung. Es werden physiologische Bewegungen trainiert, die einen direkten Einfluss auf das Nervensystem und die Hirnverarbeitung zeigen. Kinder, die einige Phasen der natürlichen Entwicklung unvollständig/ungenau oder garnicht vollzogen haben (z. B. falsche/minimale Kaubewegungen bei Kindern mit Cerebralparese), vervollständigen den Entwicklungsprozess und programmieren die Strukturen im Gehirn sozusagen neu.

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Die Neurofunktionelle Reorganisation unterteilt sich in der Therapie in 2 Bausteine:


Körperfunktionen (z.B. Kriechen, Krabbeln, Laufen, usw.)

Mundfunktionen (z.B. Atmung, Kauen, Saugen, Schlucken, Sprechen, usw.)

Durch die Anwendung der Padovan-Methode werden von Anfang an 2 wesentliche Entwicklungsprinzipien trainiert:


Koordination: Mehrere Einzelbewegungen zu einer Bewegungsabfolge verknüpfen, mehrere Anforderungen gleichzeitig erledigen (z.B. Zuhören und Schreiben), Parallelität

Automatisierung: Neue Bewegungen bzw. Verhaltensabläufe speichern, d.h. dass diese auch ohne bewusste Aufmerksamkeit korrekt durchgeführt werden

Diese beiden Entwicklungsprinzipien wiederholen sich immer wieder.

Wir brauchen diese beiden Funktionen, z.B. wenn in der Artikulationstherapie Laute neu gelernt werden und diese mit in den Sprechablauf integriert werden und automatisiert werden müssen.



Kinder mit Lese-Rechtschreibauffälligkeiten

haben große Probleme in der Koordination von mehreren Anforderungen, Schreibbewegungen sind nicht korrekt automatisiert worden und brauchen im Vergleich zu anderen Kindern viel zu viel Aufmerksamkeit. Dadurch ist die Aufmerksamkeit im nächsten Bereich (z.B. Zuhören) reduziert. Die Kinder werden frustriert und haben keine Möglichkeit aus diesem Teufelskreis auszubrechen.

Bei intensiver Behandlung erarbeiten sich die Kinder die grundlegenden Strategien und sind damit erfolgreicher.

Kinder mit Schluck-, oder Essschwierigkeiten

trainieren ebenso die Einzelfunktionen und bekommen so die Fähigkeit vermittelt, diese auch zu Bewegungsabfolgen zusammenzufügen. Ein Kind, das nur unzureichend gekaut hat, hat meist noch einen vorverlagerten Würgreflex und dieser macht den Betreuenden enorme Schwierigkeiten. Nachdem das Kind die Kaufunktionen korrekt erworben hat, ist der Würgreflex nicht mehr vorverlagert und die Zunge kann sich mit den Saug- und Schluckübungen vom Zungenvorstoß auf ein besseres Schluckmuster umstellen. Gleichzeitig nimmt auch der Speichelfluss ab.



Alle diese Prinzipien finden an allen unserer Standorte (Neheim, Olsberg, Meschede, Brilon) Platz in der Therapie – sowohl in der Ergotherapie als auch in der Logopädie, um Entwicklungsverzögerungen und -störungen möglichst erfolgreich aufarbeiten zu können.

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